Klein, kleiner, tiny: die Zukunft des Wohnens

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Klein, kleiner, tiny: die Zukunft des Wohnens

„Wir brauchen neue Ideen, wie man bezahlbaren Wohnraum schaffen kann“ – so zitiert die taz in der Ausgabe vom 09.12.2016 den Architekten Van Bo Le-Mentzel. Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Doch seine Lösungen für das Problem sind spektakulär: Le-Mentzel hat das One-Squaremeter-House entworfen und ist Begründer der „Tiny Houses University“ – einem Denk-Kollektiv, das in Berlin-Kreuzberg Ideen für viel Wohnraum auf wenig Fläche entwickelt.

Viel Wohnraum auf wenig Fläche, Tiny Houses und Microwohnen sind Schlagworte, die aktuell häufig in den Medien auftauchen. Das zeigt: Das Wohnen ist offenbar im Wandel. Es stellt sich die Frage, ob sich der Trend zum kleinen Wohnen durchsetzen kann oder ob es nur eine Spielerei für Randgruppen ist.

Fakt ist: In Berlin, Frankfurt am Main, München und Hamburg wächst die Zahl der fertiggestellten Wohnungen bereits seit einigen Jahren. Doch leider werden diese Wohnungen der Nachfrage in weiten Teilen nicht gerecht. Beispiel Berlin: In der Hauptstadt werden rund 90 Prozent der neuen Wohnungen von Projektentwicklern und privaten Bauherren erstellt. Hieraus resultiert eine spezifische Struktur des Wohnungsneubaus: So wurde 2015 mit 41,8 Prozent ein sehr großer Teil als Eigentumswohnungen errichtet. Durch die Konzentration auf dieses Segment und die attraktiven, teuren Lagen findet der größte Teil des Neubaus im gehobenen und hochpreisigen Marktsegment statt.

Auf der anderen Seite ergibt sich das dynamische Bevölkerungswachstum Berlins zum allergrößten Teil aus Zuzügen aus dem Ausland und aus der Gruppe der 20- bis 30-Jährigen; hierunter befinden sich sehr viele Studierende und Berufsanfänger mit geringem Einkommen. Unter den Zuzügen befinden sich zwar auch Haushalte mit einem überdurchschnittlichen Einkommen, der überwiegende Teil verfügt aber über eine eher geringe Wohnkaufkraft – und kann sich entsprechend die hochpreisigen Eigentumswohnungen nicht leisten, die jetzt in den Szenevierteln entstehen.

44 Prozent der Mieter würden kleinere Flächen in Kauf nehmen

Laut UN werden bis zum Jahr 2050 83 Prozent der Deutschen in Städten leben, aktuell sind es 75 Prozent. Insbesondere in den Metropolregionen wird Wohnraum deshalb weiterhin ein gefragtes Gut bleiben. Die meisten Menschen möchten dabei nicht nur in der Stadt, sondern möglichst nah am Zentrum wohnen. Hierfür nehmen sie durchaus geringere Quadratmeterzahlen in Kauf. Das tun sie auch, wenn sie dadurch Geld sparen können: Laut dem „Servicemonitor Wohnen 2016“ von Analyse & Konzepte wären 44 Prozent der deutschen Mieter bereit, auf Wohnfläche zu verzichten, um weniger Miete zu zahlen. Nur 37 Prozent würden auf eine andere Wohnlage ausweichen. Insofern entsprechen kleine Wohnungen mit guter Zimmeraufteilung der Nachfrage besser als große, loftartige Grundrisse. Das bedeutet: Gerade in den Metropolregionen müssen in der Tat viel mehr kleine Wohnungen entstehen – zum Beispiel 1,5 Zimmer mit 35 Quadratmetern oder 3 Zimmer mit 60 Quadratmetern. Auch um die Wohnkostenbelastung im Neubau zu reduzieren, ist die Verkleinerung der Wohnfläche bei klugen Grundrisslösungen ein zukunftsweisender Weg.

Insofern passt die Denkrichtung des Microwohnens und der Tiny-Houses-Bewegung genau in die Zeit. Sie zeigt, was möglich ist – ohne auf die geltenden Beschränkungen oder Vorbehalte Rücksicht zu nehmen. Damit gibt sie wichtige Impulse für den Wohnungsbau. Wie klein Wohnungen am Ende sein können, um wirklich marktfähig zu sein, muss allerdings die Zeit zeigen.

2017-05-23T12:08:44+00:0023. Mai 2017|